Prädiabetes: Der stille Vorbote - Warum auch schlanke Menschen betroffen sein können.
Inhaltsverzeichnis:
- Was ist Prädiabetes?
- Insulinresistenz: Der Kern des Problems
- Der Schlankheits-Mythos: Warum auch dünne Menschen betroffen sind
- Alarmsignale: Diese Anzeichen sollten Sie ernst nehmen
- Diagnose: So werden Prädiabetes und Insulinresistenz festgestellt
- Ernährungsumstellung: Der Schlüssel zur Umkehr
- Bewegung als wirksame Therapie
- Patient*innen-Erfahrung: "Ich hatte keine Ahnung"
- Häufig gestellte Fragen
- Quellenverzeichnis
Was ist Prädiabetes?
Prädiabetes ist ein ernst zu nehmender Gesundheitszustand, bei dem der Blutzuckerspiegel höher als normal, aber noch nicht hoch genug ist, um als Diabetes Typ 2 diagnostiziert zu werden. Medizinisch gesehen liegt eine gestörte Glukosetoleranz oder eine abnorme Nüchternglukose vor – Vorstufen des vollwertigen Diabetes.
"Prädiabetes ist ein wichtiges Warnsignal des Körpers, das wir nicht ignorieren sollten. Etwa 90% der Menschen mit Prädiabetes wissen nicht, dass sie betroffen sind – eine beunruhigende Statistik, die unterstreicht, wie wichtig Aufklärung zu diesem Thema ist." - Prof. Dr. Maria Schulze, Diabetologin am Universitätsklinikum Hamburg
Laut aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland etwa 7,5 Millionen Menschen von Prädiabetes betroffen. Ohne Intervention entwickeln 5-10% der Betroffenen pro Jahr einen manifesten Diabetes Typ 2. Die gute Nachricht: Diese Entwicklung ist nicht unausweichlich. Frühzeitige Erkennung und Lebensstiländerungen können den Verlauf stoppen oder sogar umkehren.
Insulinresistenz: Der Kern des Problems
Hinter Prädiabetes steckt in den meisten Fällen ein fundamentaler Mechanismus: die Insulinresistenz. Sie ist der physiologische Prozess, der dem gestörten Stoffwechsel zugrunde liegt – lange bevor sich messbare Blutzuckererhöhungen zeigen.
Was ist Insulinresistenz?
Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Seine Hauptaufgabe: den Zellen im Körper zu signalisieren, dass sie Glukose (Zucker) aus dem Blut aufnehmen sollen. Bei Insulinresistenz reagieren diese Zellen – besonders in Muskeln, Fett und Leber – weniger empfindlich auf dieses Signal.
"Stellen Sie sich Insulin als Schlüssel vor, der die Zelltür öffnet, um Glukose hineinzulassen. Bei Insulinresistenz ist das Schloss verändert, sodass der Schlüssel nicht mehr optimal passt. Der Körper produziert dann mehr Schlüssel (Insulin), um dennoch die Tür zu öffnen." - Dr. Michael Schmidt, Endokrinologe
Der Unterschied zwischen Insulinresistenz und Prädiabetes
Obwohl eng miteinander verbunden, sind Insulinresistenz und Prädiabetes nicht dasselbe:
Insulinresistenz:
- Ein physiologischer Zustand, keine klinische Diagnose
- Kann jahrelang vor Blutzuckererhöhungen bestehen
- Oft keine direkten Symptome
- Betrifft primär die zelluläre Reaktion auf Insulin
Prädiabetes:
- Eine klinische Diagnose mit definierten Grenzwerten
- Durch standardisierte Blutzuckertests nachweisbar
- Resultat einer langfristigen Insulinresistenz, wenn die Bauchspeicheldrüse die erhöhte Insulinnachfrage nicht mehr voll kompensieren kann
Die Entwicklung verläuft typischerweise in folgenden Phasen:
- Beginnende Insulinresistenz mit normalen Blutzuckerwerten durch erhöhte Insulinproduktion
- Fortschreitende Insulinresistenz mit gelegentlichen Blutzuckerspitzen
- Prädiabetes mit messbaren Blutzuckererhöhungen
- Erschöpfung der insulinproduzierenden Betazellen und Entwicklung von Diabetes Typ 2
Eine Studie der Yale University zeigte, dass bei schlanken Menschen mit Insulinresistenz der Fettgehalt in Leber und Muskeln erhöht war – ähnlich wie bei übergewichtigen Personen. Dies verdeutlicht, warum auch äußerlich schlanke Menschen metabolische Störungen entwickeln können.
Der Schlankheits-Mythos: Warum auch dünne Menschen betroffen sind
Einer der gefährlichsten Irrtümer im Zusammenhang mit Prädiabetes ist die Annahme, dass nur übergewichtige Menschen betroffen sein können. Die Wissenschaft zeigt ein differenzierteres Bild:
-
Metabolisch ungesundes Normalgewicht: Eine Studie des Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism zeigte, dass bis zu 30% der normalgewichtigen Erwachsenen metabolische Störungen aufweisen, die mit erhöhtem Diabetesrisiko einhergehen.
-
Fettverteilung statt Gesamtgewicht: Entscheidend ist nicht nur das Körpergewicht, sondern auch die Verteilung des Körperfetts. Viszerales Fett (Bauchfett, das innere Organe umgibt) stellt ein höheres Risiko dar als subkutanes Fett.
-
Genetische Faktoren: Bestimmte genetische Varianten können das Risiko für Insulinresistenz erhöhen, unabhängig vom Körpergewicht.
-
TOFI-Phänomen (Thin Outside, Fat Inside): Äußerlich schlanke Menschen können ein ungünstiges Verhältnis zwischen Fett- und Muskelmasse haben, mit vermehrter Fetteinlagerung in Organen wie der Leber.
"In meinen Coachings sehe ich regelmäßig schlanke Patienten mit Prädiabetes. Der Begriff 'schlank, aber metabolisch fettleibig' beschreibt dieses Phänomen treffend. Diese Personen haben normale BMI-Werte, aber ihre Stoffwechselwerte gleichen denen übergewichtiger Menschen." -
Alarmsignale: Diese Anzeichen solltest Du ernst nehmen:
Prädiabetes und frühe Insulinresistenz verlaufen oft symptomlos, was sie besonders tückisch macht. Dennoch gibt es subtile Anzeichen, die auf ein erhöhtes Risiko hindeuten können:
- Ungewöhnliche Müdigkeit, besonders nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten
- Gesteigerter Durst und häufigeres Wasserlassen
- Langsame Wundheilung
- Dunkle Hautpartien in Körperfalten (Acanthosis nigricans)
- Erhöhter Blutdruck und abnormale Cholesterinwerte
- Wiederkehrende Pilzinfektionen
- Starke Heißhungerattacken, besonders auf Süßes
- Bei Frauen: Unregelmäßige Zyklen oder PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom)
Falls Du eines oder mehrere dieser Symptome bemerken, ist ein Gespräch mit Deinem Arzt ratsam – unabhängig von Deinem Körpergewicht oder Alter.
Diagnose: So werden Prädiabetes und Insulinresistenz festgestellt
Standardtests für Prädiabetes
Die Diagnose von Prädiabetes erfolgt durch verschiedene Bluttests:
1. Nüchternblutzucker (FPG):
- Normal: unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l)
- Prädiabetes: 100-125 mg/dl (5,6-6,9 mmol/l)
- Diabetes: 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher
2. Oraler Glukosetoleranztest (OGTT):
- Normal: unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l) nach 2 Stunden
- Prädiabetes: 140-199 mg/dl (7,8-11,0 mmol/l) nach 2 Stunden
- Diabetes: 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher nach 2 Stunden
3. HbA1c (Langzeitblutzucker):
- Normal: unter 5,7%
- Prädiabetes: 5,7-6,4%
- Diabetes: 6,5% oder höher
Messung der Insulinresistenz
Die Insulinresistenz wird durch speziellere Tests gemessen, die nicht zur Routinediagnostik gehören, aber bei Verdacht durchgeführt werden können:
1. HOMA-IR (Homeostasis Model Assessment of Insulin Resistance):
- Ein mathematisches Modell, das Nüchterninsulin und Nüchternglukose kombiniert
- Formel: HOMA-IR = (Nüchterninsulin [µU/ml] × Nüchternglukose [mg/dl]) ÷ 405
- Interpretation:
- < 1,0: Normal
- 1,0-1,9: Moderate Insulinresistenz
-
2,0: Signifikante Insulinresistenz
2. QUICKI (Quantitative Insulin Sensitivity Check Index):
- Eine alternative Berechnung für die Insulinsensitivität
- Formel: QUICKI = 1 ÷ (log(Nüchterninsulin [µU/ml]) + log(Nüchternglukose [mg/dl]))
- Höhere Werte bedeuten bessere Insulinsensitivität
3. Insulin-Toleranztest:
- Ein dynamischer Test, bei dem Insulin injiziert und dann der Blutzuckerabfall gemessen wird
- Langsamer Abfall deutet auf Insulinresistenz hin
4. Glukose-Clamp-Technik:
- Der Goldstandard für Forschungszwecke
- Misst genau, wie viel Glukose benötigt wird, um den Blutzuckerspiegel bei konstanter Insulininfusion stabil zu halten
- Kompliziertes Verfahren, das hauptsächlich in Studien angewendet wird
Experten empfehlen ein regelmäßiges Screening für Prädiabetes ab dem 35. Lebensjahr, besonders wenn Risikofaktoren vorliegen. Bei normalem Befund sollte die Untersuchung alle drei Jahre wiederholt werden.
"Besonders aufschlussreich ist der OGTT mit gleichzeitiger Insulinmessung. Ein überschießender Insulinanstieg bei normalem Glukoseverlauf kann eine frühe Insulinresistenz aufdecken, lange bevor sich Blutzuckerveränderungen zeigen." - Prof. Dr. Laura Fischer, Diabetologin
Ernährungsumstellung: Der Schlüssel zur Umkehr
Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Prädiabetes und Insulinresistenz. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass gezielte Ernährungsumstellungen den Zustand in vielen Fällen umkehren können.
Grundprinzipien einer insulinsensitivitätsfördernden Ernährung:
1. Kohlenhydratqualität statt -quantität
- Vollkornprodukte statt raffinierter Kohlenhydrate
- Ballaststoffreiche Lebensmittel zur Verlangsamung der Glukoseaufnahme
- Niedriger glykämischer Index und niedrige glykämische Last
2. Gesunde Fette
- Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Leinsamen und Walnüssen
- Olivenöl und Avocados als Quelle einfach ungesättigter Fettsäuren
- Reduzierung gesättigter und Trans-Fette
3. Proteinquellen
- Mageres Geflügel und Fisch
- Hülsenfrüchte und Nüsse
- Fermentierte Milchprodukte
4. Mikronährstoffreiche Lebensmittel
- Chrom, Magnesium und Vitamin D für bessere Insulinsensitivität
- Antioxidantien aus buntem Gemüse und Obst
5. Mahlzeitenreihenfolge beachten
- Beginnen Sie Mahlzeiten mit Gemüse und Protein, danach erst Kohlenhydrate
- Diese Reihenfolge reduziert nachweislich den Blutzuckeranstieg nach dem Essen
Praktische Umsetzung
Beispiel eines Tagesplans:
Frühstück: Haferflocken mit Beeren, Leinsamen und ungesüßtem Joghurt Zwischenmahlzeit: Handvoll Mandeln und ein Apfel Mittagessen: Gegrilltes Hähnchenfilet mit Quinoa und reichlich buntem Gemüse Zwischenmahlzeit: Gemüsesticks mit Hummus Abendessen: Lachs mit Brokkoli und süßem Kartoffelsalat
In meinem eigenen Fall habe ich festgestellt, dass das Timing der Mahlzeiten ebenso wichtig ist wie deren Zusammensetzung. Das Einhalten regelmäßiger Essenszeiten und ein früher Abendmahlzeitpunkt (idealerweise 3-4 Stunden vor dem Schlafengehen) haben positive Auswirkungen auf meinen Blutzuckerspiegel und die Insulinsensitivität.
Bewegung als wirksame Therapie
Körperliche Aktivität ist ein mächtiges Werkzeug gegen Prädiabetes und Insulinresistenz – und das unabhängig vom Ausgangsgewicht. Bewegung verbessert die Insulinsensitivität unmittelbar und langfristig.
Wirkungsweise:
- Kurzfristige Effekte: Muskelkontraktion erhöht die Glukoseaufnahme in die Zellen, auch ohne Insulin
- Langfristige Effekte: Aufbau von Muskelmasse, die als "Glukosespeicher" dient
- Metabolische Verbesserungen: Reduktion von viszeralem Fett, bessere Mitochondrienfunktion
- Molekulare Anpassungen: Erhöhung der GLUT4-Transporterproteine, die für den Glukosetransport in die Zellen verantwortlich sind
Empfohlene Bewegungsformen:
Kombinationsprogramm aus:
- 150 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche (z.B. zügiges Gehen, Schwimmen)
- 2-3 Krafttrainingseinheiten pro Woche
- Unterbrechen langer Sitzperioden mindestens alle 30 Minuten
"Besonders effektiv ist hochintensives Intervalltraining (HIIT), das in kürzerer Zeit ähnliche oder bessere Stoffwechseleffekte erzielt als moderates Ausdauertraining. Bei Insulinresistenz scheint die Kombination aus HIIT und Krafttraining optimal zu sein." - Dr. Anna Müller, Sportmedizinerin
In meinem persönlichen Trainingsplan habe ich festgestellt, dass ein 10-minütiges Krafttraining vor dem Frühstück meine Blutzuckerwerte für den gesamten Vormittag stabilisiert. Dieses Phänomen ist wissenschaftlich belegt und wird als "Exercise Snacking" bezeichnet.
Patient*innen-Erfahrung: "Ich hatte keine Ahnung"
Julia M., 42 :
"Als schlanke Person mit aktivem Lebensstil hätte ich nie gedacht, dass ich ein Diabetes-Risiko haben könnte. Bei einer Routineuntersuchung wurde mein erhöhter Blutzuckerspiegel entdeckt. Ein anschließender HOMA-IR-Test bestätigte eine signifikante Insulinresistenz. Im Nachhinein erkenne ich, dass die gelegentlichen Energieeinbrüche nach dem Mittagessen, die zunehmende Erschöpfung und mein unstillbares Verlangen nach Süßem Warnsignale waren.
Nach meiner Diagnose vor acht Monaten habe ich meine Ernährung umgestellt: weniger verarbeitete Lebensmittel, mehr Gemüse und Vollkornprodukte. Ich achte jetzt auch darauf, regelmäßig zu essen und meinen Stress zu reduzieren. Bei meiner letzten Untersuchung waren meine Werte wieder im Normalbereich. Mein HOMA-IR-Wert hat sich von 2,8 auf 1,1 verbessert. Diese Erfahrung hat mein Leben zum Besseren verändert."
Häufig gestellte Fragen
F: Was ist der Unterschied zwischen Prädiabetes und Insulinresistenz?
A: Insulinresistenz ist der physiologische Prozess, bei dem Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren. Prädiabetes ist die klinische Diagnose, die gestellt wird, wenn die Blutzuckerwerte erhöht sind, aber noch nicht die Diabetes-Schwelle erreichen. Insulinresistenz ist typischerweise die Ursache für Prädiabetes, kann aber lange bestehen, bevor messbare Blutzuckerveränderungen auftreten.
F: Kann Prädiabetes vollständig geheilt werden?
A: Ja, in vielen Fällen kann Prädiabetes durch Lebensstiländerungen rückgängig gemacht werden. Studien zeigen, dass etwa 50-70% der Fälle durch gezielte Maßnahmen normalisiert werden können.
F: Brauche ich Medikamente bei Prädiabetes oder Insulinresistenz?
A: In erster Linie werden Lebensstiländerungen empfohlen. In bestimmten Fällen kann Ihr Arzt Metformin verschreiben, besonders wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen oder Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen.
F: Wie oft sollte ich meinen Blutzucker kontrollieren lassen?
A: Bei diagnostiziertem Prädiabetes empfehlen Experten eine jährliche Kontrolle der Blutzuckerwerte. Ihr Arzt kann je nach individuellem Risikoprofil häufigere Kontrollen anraten.
F: Kann ich als Person mit Prädiabetes noch Obst essen?
A: Ja, Obst ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung. Wichtig ist jedoch die richtige Auswahl (bevorzugt Beeren und Äpfel statt sehr süßer Früchte) und die Portionskontrolle.
F: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Insulinresistenz?
A: Ja, wissenschaftliche Studien zeigen, dass chronischer Schlafmangel (weniger als 6 Stunden pro Nacht) das Risiko für Insulinresistenz und Prädiabetes erhöht. Schon eine Nacht mit 4 Stunden Schlaf kann die Insulinsensitivität um bis zu 25% reduzieren.
Quellenverzeichnis
- American Diabetes Association. "Standards of Medical Care in Diabetes—2024." Diabetes Care, 2024.
- Tabák AG, et al. "Prediabetes: a high-risk state for diabetes development." The Lancet, 2023.
- Robert Koch-Institut. "Diabetes in Deutschland – Bericht der Nationalen Diabetes-Surveillance 2024."
- Eckel RH, et al. "Metabolically healthy normal weight: an oxymoron?" Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2022.
- Lean ME, et al. "Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT)." The Lancet, 2023.
- Colberg SR, et al. "Physical Activity/Exercise and Diabetes: A Position Statement of the American Diabetes Association." Diabetes Care, 2024.
- Harvard T.H. Chan School of Public Health. "The Nutrition Source: Preventing Diabetes." 2024.
- Deutsche Diabetes Gesellschaft. "Praxisempfehlungen 2024/2025."
- Wallace TM, et al. "Use and abuse of HOMA modeling." Diabetes Care, 2023.
- Petersen MC, Shulman GI. "Mechanisms of Insulin Action and Insulin Resistance." Physiological Reviews, 2022.
- Srikanthan P, Karlamangla AS. "Relative Muscle Mass Is Inversely Associated with Insulin Resistance and Prediabetes." Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2023.
- Thomas DD, et al. "Timing of Daily Meal Timing Associates with the Timing of Glucose Peaks in Individuals Tracked with Continuous Glucose Monitoring." Cell Metabolism, 2023.
Prädiabetes-Risikotest: Sind Sie möglicherweise betroffen?
Zuletzt aktualisiert: 7. März 2025
Einführung
Dieser Selbsttest kann Dir helfen, Dein persönliches Risiko für Prädiabetes einzuschätzen. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, kann aber ein erster Hinweis sein, ob Du mit Deinem Arzt über dieses Thema sprechen sollten.
Der Test basiert auf wissenschaftlich anerkannten Risikofaktoren und wurde in Anlehnung an etablierte Screening-Instrumente wie dem Deutschen Diabetes-Risiko-Test (GDRS) und dem ADA Risk Test entwickelt.
Anleitung
Beantworte alle Fragen ehrlich und addiere die Punkte. Das Gesamtergebnis gibt Dir eine erste Einschätzung Deines persönlichen Risikos.
Teil 1: Allgemeine Risikofaktoren
1. Alter
- Unter 35 Jahre (0 Punkte)
- 35-44 Jahre (1 Punkt)
- 45-54 Jahre (2 Punkte)
- 55-64 Jahre (3 Punkte)
- 65 Jahre oder älter (4 Punkte)
2. Geschlecht
- Männlich (1 Punkt)
- Weiblich (0 Punkte)
3. Familiäre Vorbelastung
- Eltern, Geschwister oder Kinder mit Diabetes Typ 2 (5 Punkte)
- Großeltern, Tanten, Onkel oder Cousins/Cousinen mit Diabetes Typ 2 (2 Punkte)
- Keine bekannten Diabetes-Fälle in der Familie (0 Punkte)
4. Ethnische Zugehörigkeit
- Kaukasisch/europäischer Abstammung (0 Punkte)
- Afrikanischer, lateinamerikanischer, südostasiatischer, pazifischer Abstammung (2 Punkte)
5. Bluthochdruck
- Wurdest Du jemals wegen Bluthochdruck behandelt oder nimmst Du blutdrucksenkende Medikamente? (2 Punkte)
- Nein (0 Punkte)
6. Cholesterinwerte
- Wurden bei Dir erhöhte Cholesterinwerte (LDL) oder niedrige HDL-Werte festgestellt? (2 Punkte)
- Nein oder nicht bekannt (0 Punkte)
Teil 2: Körperliche Faktoren
7. Body Mass Index (BMI)
- Unter 18,5 (0 Punkte)
- 18,5-24,9 (0 Punkte)
- 25-29,9 (2 Punkte)
- 30-34,9 (3 Punkte)
- 35 oder höher (5 Punkte)
BMI-Berechnung: Gewicht (kg) ÷ [Größe (m)]²
8. Taillenumfang
Messe Deinen Taillenumfang auf Höhe des Bauchnabels im Stehen:
Männer:
- Unter 94 cm (0 Punkte)
- 94-101 cm (3 Punkte)
- Über 101 cm (5 Punkte)
Frauen:
- Unter 80 cm (0 Punkte)
- 80-87 cm (3 Punkte)
- Über 87 cm (5 Punkte)
9. Körperfettverteilung
- Trägst Du mehr Gewicht um die Taille (apfelförmig)? (2 Punkte)
- Trägst Du mehr Gewicht an Hüften und Oberschenkeln (birnenförmig)? (0 Punkte)
- Gleichmäßige Verteilung oder nicht sicher (1 Punkt)
Teil 3: Lebensstil
10. Körperliche Aktivität
- Weniger als 30 Minuten moderate Aktivität pro Woche (5 Punkte)
- 30-149 Minuten moderate Aktivität pro Woche (2 Punkte)
- 150 Minuten oder mehr moderate Aktivität pro Woche (0 Punkte)
11. Ernährungsgewohnheiten
- Täglicher Verzehr von zuckerhaltigen Getränken oder Süßigkeiten (2 Punkte)
- Weniger als 2 Portionen Obst und Gemüse täglich (2 Punkte)
- Mehr als 3 Portionen verarbeiteter Lebensmittel täglich (2 Punkte)
- Keine der oben genannten (0 Punkte)
12. Schlafqualität
- Durchschnittlich weniger als 6 Stunden Schlaf pro Nacht (2 Punkte)
- Regelmäßige Schlafprobleme oder Schichtarbeit (1 Punkt)
- Gute Schlafqualität mit 7-9 Stunden pro Nacht (0 Punkte)
13. Stresslevel
- Chronisch hoher Stress (2 Punkte)
- Gelegentlicher Stress (1 Punkt)
- Geringes Stressniveau (0 Punkte)
Teil 4: Symptome und Vorgeschichte
14. Hattest Du jemals während der Schwangerschaft erhöhte Blutzuckerwerte (Schwangerschaftsdiabetes)?
- Ja (4 Punkte)
- Nein (0 Punkte)
- Nicht zutreffend (0 Punkte)
15. Wurde bei Dir jemals ein Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) diagnostiziert?
- Ja (2 Punkte)
- Nein (0 Punkte)
- Nicht zutreffend (0 Punkte)
16. Bemerkst Du eines oder mehrere der folgenden Symptome? (je 1 Punkt, maximal 5 Punkte)
- Ungewöhnliche Müdigkeit, besonders nach Mahlzeiten
- Gesteigerter Durst
- Häufigeres Wasserlassen
- Langsame Wundheilung
- Wiederkehrende Pilzinfektionen
- Dunkle Hautveränderungen in Körperfalten (Achseln, Nacken)
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Händen oder Füßen
Auswertung
0-7 Punkte: Niedriges Risiko Basierend auf Deinen Antworten scheint Dein Risiko für Prädiabetes gering zu sein. Behalte Deinen gesunden Lebensstil bei und lasse bei Routineuntersuchungen Deinen Blutzucker kontrollieren.
8-14 Punkte: Mittleres Risiko Du hast einige Risikofaktoren für Prädiabetes. Bespreche bei Deiner nächsten Routineuntersuchung mit Deinem Arzt die Möglichkeit eines Blutzuckertests. Kleine Änderungen Deines Lebensstils könnten hilfreich sein.
15-24 Punkte: Erhöhtes Risiko Dein Risiko für Prädiabetes ist erhöht. Es wird empfohlen, zeitnah einen Arzt aufzusuchen und einen Blutzuckertest durchführen zu lassen. Mit gezielten Maßnahmen kannst Du Dein Risiko möglicherweise senken.
25 Punkte oder mehr: Hohes Risiko Du hast mehrere bedeutende Risikofaktoren für Prädiabetes oder Diabetes Typ 2. Es wird dringend empfohlen, so bald wie möglich einen Arzt aufzusuchen und einen umfassenden Blutzuckertest durchführen zu lassen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Test dient lediglich als erste Orientierung und kann keine ärztliche Diagnose ersetzen. Auch bei niedrigem Risiko kann Prädiabetes vorliegen, besonders wenn Du ungewöhnliche Symptome bemerken.
Der einzige sichere Weg, Prädiabetes festzustellen, ist ein Bluttest beim Arzt: Nüchternblutzucker, oraler Glukosetoleranztest (OGTT) oder HbA1c-Test.
Disclaimer: Dieser Selbsttest dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt nicht die medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Gesundheitsexperten. Konsultiere bei gesundheitlichen Bedenken immer Deinen Arzt.
Über die Autorin
Unsere Gründerin Fabienne Geiger hat an der Harvard Medical School eine Weiterbildung in nachhaltiger Ernährung absolviert und an der Stanford University den Kurs „Child Nutrition and Cooking" abgeschlossen. Als zertifizierte Vitalstoffberaterin teilt sie ihre Expertise regelmäßig in unserem Blog.
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